„Frau Krämer? Die mit dem Hund, dritter Stock, Klingel geht nicht.“ So klingt Betriebswissen in vielen Handwerksbetrieben. Es steckt im Kopf des Inhabers oder des Altgesellen. Das funktioniert, bis jemand Neues anfängt, jemand krank wird oder der Betrieb an einen Nachfolger übergeben werden soll.
Frankfurts Handwerk in Zahlen
Für Frankfurt zuständig ist die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main. Ihr Bezirk umfasst die Städte Frankfurt, Darmstadt und Offenbach sowie sieben Landkreise. Laut Zahlenspiegel 2026 waren es im Kalenderjahr 2025 rund 33.450 Betriebe im Kammerbezirk. Auf die Stadt Frankfurt allein entfallen 7.493 Betriebe mit 2.074 Auszubildenden.
Das Entwicklungsprogramm Frankfurter Handwerk
Seit 2012 haben Stadt und Handwerkskammer eine gemeinsame Strategie, das Entwicklungsprogramm Frankfurter Handwerk. Im Januar 2026 hat die Stadt die Fortschreibung angestoßen (Frankfurt Business). Die Handlungsfelder sind unter anderem Gewerbeflächen, Gründung und Nachfolge, Nachwuchs, Innovation und Digitalisierung sowie eine handwerksfreundliche Vergabe.
Zwei davon, Nachwuchs und Nachfolge, haben mehr mit Büroorganisation zu tun, als man denkt.
Neue Leute schneller auf die Baustelle bringen
Ein Azubi im ersten Jahr oder ein neuer Geselle braucht vor allem eins: zu wissen, wo er morgen hin muss und was ihn dort erwartet. In Zunfto sieht das so aus:
Einladen. Du lädst neue Leute per Mail-Link ins Team ein. Der Link gilt 14 Tage. Jede Person bekommt eine Rolle: Mitarbeiter arbeiten überall mit, außer in den Einstellungen. Die Assistenz hat nur Lesezugriff. Wer auf Einsätze verteilt werden soll, bekommt zusätzlich die Funktion „Handwerker“.
Der Tag im Überblick. Der Tagesplan zeigt, wer heute wo ist, und unter „nicht zugewiesen“ die Einsätze ohne Person. Mehrere Leute pro Termin sind möglich, eine davon als Leitung. So fährt der Azubi mit dem Gesellen, und beide sehen denselben Termin.
Vorbereitung am Termin. Jeder Termin hat eine Checkliste und Vorbereitungsnotizen. Dort steht, was mitmuss, wer aufschließt und worauf zu achten ist. Genau die Dinge, die sonst nur mündlich weitergegeben werden.
Fotos statt Erklärungen. Über die Foto-Doku am Termin oder Auftrag sieht der Neue, wie die Baustelle beim letzten Besuch aussah.
Wie man den Tag für mehrere Leute sinnvoll plant, steht im Ratgeber zur Einsatzplanung.
Was du wissen solltest: Mitarbeiter sehen in Zunfto alle Daten des Betriebs. Eine Einschränkung auf „nur eigene Aufträge“ oder frei einstellbare Rechte pro Person gibt es nicht. Und eine Zeiterfassung für Azubis oder Gesellen gibt es auch nicht.
Nachfolge: was ein Käufer sehen will
Wer einen Betrieb übernimmt, übernimmt vor allem Kunden. Steckt deren Geschichte in Papierordnern und im Gedächtnis, ist das schwer zu übergeben.
In Zunfto hat jeder Kunde eine Kundenakte mit allen Terminen, Angeboten, Rechnungen und Aufträgen sowie Umsatz und offenen Beträgen. Unter Auswertungen stehen Umsatz, Ausgaben, offene Forderungen und neue beziehungsweise aktive Kunden pro Monat oder Jahr. Das ersetzt keine Betriebsbewertung, gibt aber einen ehrlichen Einblick.
Für die Übergabe selbst gibt es den Datenexport als JSON, mit allen Daten des Kontos. Rechnungen lassen sich einzeln als PDF oder XML laden. Einen Sammel-Export als ZIP oder einen Import aus anderen Programmen hat Zunfto nicht.
Was die Kammer anbietet
Die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main hat eine Digitalisierungsberatung. Themen sind Kommunikation, Geschäftsprozesse, Lager und Automatisierung. Dazu kommen ein Digitalisierungs-Check, ein Website-Check und der CyberRisikoCheck mit einer Software des BSI. Website-Check und CyberRisikoCheck sind für Mitgliedsbetriebe kostenfrei.
Förderung in Hessen (Stand September 2026)
Wer auf den DIGI-Zuschuss Hessen gehofft hat, ist zu spät: Das Programm für Hard- und Software und IT-Sicherheit endete im Juni 2026, das Bewerbungsportal ist zu, und neue Aufrufe plant das Land nicht. Ein laufendes Zuschussprogramm des Landes für die typische Digitalisierung im Handwerk gibt es damit derzeit nicht.
Offen ist Distr@l. Es fördert aber Innovationsprojekte mit Forschungs- und Entwicklungsanteil. Wer nur ein fertiges Programm für Angebote und Rechnungen einsetzen will, ist dort meist falsch.
Bundesweit gibt es die BAFA-Beratungsförderung, die eine Beratung mit 50 Prozent bis höchstens 1.750 Euro bezuschusst. Ihre Richtlinie gilt bis 31.12.2026, beantragt wird vor Beratungsbeginn. Dazu der KfW-Förderkredit Digitalisierung (511/512), beantragt über die Hausbank. Überblick: Förderung für Digitalisierung.
Kurz zur Technik
Zunfto ist eine Web-App, am Rechner im Büro und am Handy auf der Baustelle. Installieren musst du nichts, allerdings braucht Zunfto eine Verbindung. Wer es ausprobieren will: app.zunfto.de/register.
Häufige Fragen
Welche Handwerkskammer ist für Betriebe in Frankfurt zuständig?
Die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main. Zu ihrem Bezirk gehören auch Darmstadt, Offenbach und sieben Landkreise. In der Stadt Frankfurt zählt sie 7.493 Betriebe (Zahlenspiegel 2026, Kalenderjahr 2025).
Gibt es 2026 in Hessen einen Zuschuss für Digitalisierung im Handwerk?
Stand September 2026 kein passendes Landesprogramm. Der DIGI-Zuschuss ist seit Juni 2026 beendet, Distr@l richtet sich an Innovationsprojekte. Bundesweit bleibt die BAFA-Beratungsförderung bis Ende 2026.
Kann ich Azubis in Zunfto einplanen?
Ja. Du lädst sie ins Team ein und gibst ihnen die Funktion „Handwerker“. Dann kannst du sie Terminen und Aufträgen zuordnen, auch zusammen mit einem Gesellen als Leitung.
Sehen meine Mitarbeiter in Zunfto alle Kunden?
Ja. Mitarbeiter sehen alle Daten des Betriebs. Nur die Einstellungen sind dem Inhaber vorbehalten. Eine Beschränkung auf eigene Aufträge gibt es nicht.
Kann ich meine Daten bei einer Betriebsübergabe mitnehmen?
Ja. Zunfto bietet einen vollständigen Datenexport als JSON nach Art. 20 DSGVO. Rechnungen lädst du einzeln als PDF oder XML herunter.