Ob du dich Tischler oder Schreiner nennst, hängt davon ab, wo du wohnst. Der Ablauf ist im Norden wie im Süden ähnlich. Ein Kunde möchte einen Einbauschrank unter die Dachschräge, eine Treppe, eine Haustür oder eine komplette Küche. Du fährst hin, misst aus, besprichst Holz, Oberflächen und Beschläge, und dann beginnt eine lange Strecke: Entwurf, Angebot, Freigabe, Materialbestellung, Werkstatt, Oberfläche, Montage. Bei einer Einzelanfertigung sind das schnell mehrere Wochen, bei Lieferengpässen für Glas oder Beschläge auch mal mehr.
Das Problem dieser Strecke ist nicht die Arbeit an der Hobelbank. Es sind die Übergaben dazwischen. Wer hat beim Aufmaß mitbekommen, dass die Wand nicht im Lot ist? Hat der Kunde die Eiche geölt oder lackiert bestellt? Ist die Anzahlung eigentlich eingegangen, bevor die Platten bestellt wurden? Und wann war noch mal die Montage vereinbart?
Eine Geschichte in drei Terminen
In Zunfto bildest du diese Strecke als Auftrag ab. Der Auftrag bekommt eine Nummer, einen Titel wie „Einbauschrank Dachgeschoss“ und eine Leistungsbeschreibung. Er führt durch die Phasen Anfrage, Angebot, Beauftragt, In Arbeit, Abgenommen, Berechnet und Abgeschlossen. An jedem Auftrag hängen die Termine, Angebote und Rechnungen, die dazugehören.
Die Termine selbst hängen außerdem aneinander. Der erste ist die Besichtigung / Aufmaß. Der zweite, Wochen später, der Arbeitseinsatz für die Montage. Der dritte vielleicht eine Nachbesserung, wenn nach dem ersten Heizwinter eine Tür nachjustiert werden muss. Jeder Folgetermin verweist über „Bezugnehmend auf“ auf den vorherigen. So entsteht eine Termin-Reihe, und du siehst auf einen Blick, was bei diesem Kunden schon passiert ist.
Das Aufmaß festhalten
Zunfto hat kein Aufmaß-Modul, keine Skizzen und keine Stücklisten. Die Maße für einen Einbauschrank hältst du auf deine Art fest, auf Papier, im CAD-Programm oder in der Tischlersoftware für die Konstruktion. Was Zunfto am Aufmaß-Termin bietet:
- Vorbereitungsnotizen und eine Checkliste, die du vor Ort abhakst, etwa „Wand auf Lot prüfen“, „Steckdosen und Schalter in der Nische?“, „Sockelleiste bleibt oder kommt weg?“, „Zugang für die Montage: Treppe, Aufzug, Türbreite“.
- Fotos der Einbausituation, direkt vom Handy an den Termin gehängt, mit Kategorie „vorher“ und einer Bildunterschrift. Die Montagekolonne sieht Wochen später genau, wie die Nische aussah.
Wer beim Aufmaß war und wer montiert, sind oft nicht dieselben Leute. Wenn beide am selben Termin-Verlauf arbeiten, geht weniger verloren.
Angebot für ein Einzelstück
Bei Einzelanfertigungen besteht ein Angebot oft aus wenigen, aber beschreibungsstarken Positionen. „Einbauschrank nach Aufmaß, Korpus Multiplex weiß, Fronten Eiche furniert, geölt, grifflos mit Push-to-open, Innenaufteilung laut Skizze“ ist eine Position mit Menge 1 und Einheit psch. Dazu Montage, Anlieferung und eventuell der Abbau des alten Schranks.
In Zunfto schreibst du genau so ein Angebot mit Positionen, Einheiten und Preisen. Leistungen, die immer wieder vorkommen, wie Montagestunden oder Anlieferung, holst du aus dem Katalog „Pakete & Artikel“. Das PDF trägt dein Logo und geht per Mail oder über einen Freigabe-Link an den Kunden. Der Kunde nimmt online an oder lehnt ab. Der Ratgeber Angebot schreiben erklärt, was in ein Angebot gehört und wie lange es dich bindet.
Die Gültigkeit steht standardmäßig auf 30 Tagen. Bei schwankenden Holz- und Plattenpreisen ist eine klare Bindefrist wichtig, du kannst das Datum pro Angebot ändern.
Die Anzahlung vor der Materialbestellung
Bei einer Einzelanfertigung gehst du in Vorleistung: Platten, Massivholz, Beschläge, Glas, Lack. Zugeschnittene Platten und Sonderbeschläge gehen nicht zurück an den Händler. Deshalb ist eine Anzahlung bei Auftragserteilung in der Branche üblich.
In Zunfto legst du die Anzahlung direkt im Angebot fest, als Betrag oder in Prozent. Setzt du das Angebot in Zunfto auf „angenommen“, entsteht auf Wunsch eine Anzahlungs-Quittung (bei der Online-Annahme durch den Kunden nicht). Wenn sie bezahlt ist, markierst du sie als bezahlt, und du weißt: Die Bestellung kann raus. Bei der Endrechnung zieht Zunfto die Anzahlung als „abzgl. Anzahlung“ ab.
Die Grenze: Es gibt eine Anzahlung pro Angebot. Ein Modell mit drei Zahlungen, etwa ein Drittel bei Auftrag, ein Drittel bei Lieferung, ein Drittel nach Montage, kann Zunfto nicht abbilden. Auch der Zahlungseingang wird nicht automatisch erkannt, eine Bankanbindung gibt es nicht.
Beauftragung mit Unterschrift
Für größere Aufträge willst du oft mehr als einen Klick auf „Annehmen“. Über den Kunden-Hub sieht der Kunde den Auftrag mit den verknüpften Angeboten und beauftragt ihn mit seiner Unterschrift auf dem Handy. Zunfto speichert Name, Zeitpunkt und Unterschrift, und der Auftrag springt auf „Beauftragt“.
Die stillen Wochen dazwischen
Während der Schrank in der Werkstatt entsteht, passiert für den Kunden scheinbar nichts. Das erzeugt Nachfragen. Über den Hub kann der Kunde dir schreiben und Fotos sehen. Wenn du ihm ein Bild der fertigen Fronten vor der Oberflächenbehandlung zeigst, erspart das oft zwei Telefonate und manchmal eine Reklamation, weil die Maserung doch nicht gefällt.
Im Dashboard siehst du die Angebots-Pipeline, die Aufträge, die auf die Abnahme warten, und die offenen Rechnungen. Das hilft, wenn fünf Aufträge gleichzeitig in unterschiedlichen Phasen stecken.
Eine Werkstatt- oder Fertigungsplanung mit Maschinenbelegung hat Zunfto nicht. Auch keine Materialbestellung beim Lieferanten und keine Lagerverwaltung für Plattenreste. Zunfto plant Menschen und Termine, nicht Maschinen.
Montage und Abnahme
Die Montage legst du als Termin an und ordnest die Monteure zu, einen davon als Leitung. Den Termin kann der Kunde im Hub bestätigen. Am Tag selbst steht die Adresse im Tagesplan, die Fotos vom Aufmaß hängen in der Reihe.
Nach der Montage folgt die Abnahme. Die Angebotspositionen erscheinen als Prüfpunkte, du ergänzt eigene: „Türen und Schubkästen eingestellt“, „Fugen zur Wand versiegelt“, „Pflegehinweise für geöltes Holz übergeben“. Jeder Punkt ist ok oder bekommt eine Anmerkung als Restpunkt oder Mangel, etwa „Blende links wird nachgeliefert“. Der Kunde unterschreibt mit dem Finger, dazu Fotos der fertigen Arbeit. Das Abnahmeprotokoll entsteht als PDF.
Warum das mehr ist als eine Formalie: Mit der Abnahme beginnt in der Regel die Verjährungsfrist für Mängelansprüche, und die Beweislast verschiebt sich. Die Einzelheiten stehen in den Ratgebern Abnahme nach BGB und VOB und Gewährleistung und Mängel. Im Einzelfall klärt das dein Anwalt.
Ladenbau, Praxen, Büros: wenn der Kunde ein Betrieb ist
Viele Tischlereien arbeiten nicht nur für Privatleute, sondern bauen Tresen, Empfangsmöbel oder Einbauten für Praxen und Büros. Solche Kunden legst du in Zunfto als Geschäftskunden an, mit Firmenname und USt-IdNr. Setzt du den Schalter „E-Rechnung gewünscht“, wird jede Rechnung an diesen Kunden als ZUGFeRD-PDF mit eingebetteten Rechnungsdaten erzeugt. Für öffentliche Auftraggeber, etwa eine Schule oder ein Rathaus, lädst du eine XRechnung mit Leitweg-ID herunter und reichst sie im Portal des Auftraggebers ein.
Die Rechnungen für Platten, Beschläge und Lack fotografierst du mit dem Handy ab und ordnest sie dem Montagetermin zu. Am Quartalsende exportierst du Einnahmen und Ausgaben als CSV oder DATEV-Buchungsstapel für dein Steuerbüro.
Womit du rechnen solltest
- Kein Aufmaß, kein CAD, keine Stücklisten und kein Zuschnitt. Dafür bleibt deine Konstruktionssoftware.
- Keine Nachkalkulation. Ob die geplanten Werkstattstunden gereicht haben, zeigt Zunfto nicht.
- Keine Zeiterfassung. Werkstatt- und Montagezeiten werden nicht gestempelt.
- Keine Mehrfach-Abschläge, eine Anzahlung pro Angebot.
- Kein Offline-Modus. Im Neubau ohne Netz lädst du Fotos hoch, sobald du wieder Empfang hast.
Einstieg
Nimm den nächsten Auftrag, der gerade mit einem Aufmaß beginnt, und führ ihn komplett in Zunfto: Termin mit Checkliste, Angebot mit Anzahlung, Auftrag mit Montagetermin, Abnahme, Rechnung. Danach weißt du, ob es zu deiner Werkstatt passt. Das Konto legst du unter app.zunfto.de/register an.
Häufige Fragen
Kann ich in Zunfto ein Aufmaß mit Skizze erfassen?
Nein. Es gibt den Termintyp „Besichtigung / Aufmaß“ mit Notizen, Checkliste und Fotos, aber kein Aufmaßblatt und keine Skizzen. Maße und Konstruktion bleiben in deinem bisherigen Werkzeug.
Wie verlange ich eine Anzahlung vor der Materialbestellung?
Du legst im Angebot eine Anzahlung als Betrag oder Prozentsatz fest. Setzt du das Angebot in Zunfto auf „angenommen“, entsteht auf Wunsch eine Anzahlungs-Quittung. Die Endrechnung zieht den Betrag später ab. Mehrere Teilzahlungen gehen nicht.
Kann der Kunde den Auftrag unterschreiben statt nur zu klicken?
Ja. Im Kunden-Hub sieht er den verknüpften Auftrag mit den Angeboten und beauftragt ihn per Unterschrift. Name, Zeitpunkt und Unterschrift werden gespeichert.
Plant Zunfto auch die Maschinen in der Werkstatt?
Nein. Zunfto plant Termine und Mitarbeiter. Maschinenbelegung, Fertigungsplanung und Materialbestellung gehören nicht zum Umfang.
Was passiert, wenn nach der Montage noch etwas fehlt?
Du notierst es in der Abnahme als Restpunkt. Für die Nachlieferung legst du einen Termin vom Typ „Nachbesserung“ an, der auf die Montage verweist.