Förderung für Digitalisierung klingt verlockend: Software, Tablets für die Monteure, eine neue Website, und der Staat zahlt die Hälfte. Die Wirklichkeit 2026 ist nüchterner. Die bekanntesten Bundesprogramme sind ausgelaufen, mehrere Länder haben ihre Töpfe geschlossen oder ausgeschöpft. Es gibt aber noch Möglichkeiten, und für einige lohnt sich der Aufwand.
Stand: 19.09.2026. Alle Angaben stammen von den Seiten der Förderbanken, Ministerien und Kammern, abgerufen im September 2026. Förderprogramme ändern sich schnell. Prüf den aktuellen Stand immer auf der verlinkten offiziellen Seite, bevor du planst. Förderhöhen sind Höchstwerte, kein Anspruch.
Zuerst: Was nicht mehr läuft
Viele Ratgeber im Netz sind veraltet. Diese Bundesprogramme kannst du nicht mehr beantragen:
| Programm | Status |
|---|---|
| Digital Jetzt (Investitionszuschuss des Bundeswirtschaftsministeriums) | Ausgelaufen, die Richtlinie war bis 31.12.2023 befristet |
| go-digital (geförderte Digitalisierungsberatung) | Ausgelaufen zum 31.12.2024, laut Bundeswirtschaftsministerium wegen der Haushaltslage nicht fortgeführt |
Auch auf Landesebene sind bekannte Programme weggefallen, etwa die Digitalprämie Berlin, der DIGI-Zuschuss Hessen (Förderphase bis Juni 2026) und der Digitalbonus Niedersachsen (ausgelaufen zum 31.12.2025). Details in der Länderübersicht unten.
Bundesprogramme, die 2026 laufen
BAFA: Förderung von Unternehmensberatungen
Das BAFA bezuschusst Beratungen durch gelistete Berater, auch zu Digitalisierung und Organisation. Laut BAFA gilt die Richtlinie bis 31.12.2026.
- Bemessungsgrundlage höchstens 3.500 Euro je Beratung
- Zuschuss 50 % in den alten Bundesländern, Berlin und der Region Leipzig, 80 % in den übrigen neuen Bundesländern sowie den Regionen Lüneburg und Trier
- höchstens fünf Beratungen, davon höchstens zwei pro Jahr
- Antrag vor Beginn der Beratung. Schon der Beratungsvertrag gilt als Beginn.
Gefördert wird die Beratung, nicht die Software selbst. Sinnvoll ist das, wenn du vor der Einführung klären willst, wie deine Abläufe vom Angebot bis zur Rechnung künftig laufen sollen. Ob und wie es ab 2027 weitergeht, ist offen.
KfW: ERP-Förderkredit Digitalisierung (511, 512)
Die KfW finanziert Digitalisierungsvorhaben mit einem zinsgünstigen Kredit. Laut KfW ist das Produkt beantragbar. Gefördert werden Hardware, Software, Cloud, IT-Sicherheit und Schulungen, auch laufende Kosten.
- Drei Förderstufen, in Stufe 2 und 3 mit Zuschuss von 3 bzw. 5 % auf den Kredit
- Antrag über deine Hausbank, nicht direkt bei der KfW
- In Stufe 1 ist vorher der „KfW-Digitalisierungscheck" nötig
Für einen kleinen Betrieb, der eine Handwerkersoftware einführt, ist ein Kredit selten das passende Werkzeug. Interessant wird es bei größeren Projekten mit Hardware, Vernetzung und Schulung.
Kostenfreie Beratung: Mittelstand-Digital
Das Netzwerk Mittelstand-Digital bietet kostenfreie, anbieterneutrale Workshops und Beratung. Das spezielle Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk endet laut ZDH 2026 nach fünf Jahren Laufzeit. Ob und in welcher Form ein Nachfolger kommt, war beim Abruf nicht offiziell bestätigt.
Länderprogramme im Überblick
Die Länder fördern sehr unterschiedlich. Stand der Tabelle: September 2026.
| Land | Programm | Status | Eckdaten |
|---|---|---|---|
| Baden-Württemberg | Digitalisierungsfinanzierung der L-Bank | läuft, laut IHK bis 30.06.2027 | Förderdarlehen, für KMU mit Digitalisierungsprämie als Tilgungszuschuss |
| Bayern | Digitalbonus Bayern | läuft bis 31.12.2027, Monatskontingent für September ausgeschöpft, neue Anträge ab 01.10.2026, 10 Uhr | bis 50 %, Standard max. 7.500 €, Plus max. 30.000 €; für Betriebe unter 50 Beschäftigten |
| Berlin | Digitalprämie, InvestitionsBONUS | ausgelaufen | Laut HWK Berlin kein eigenes Zuschussprogramm für Digitalisierung mehr; Zuschüsse wie ProFIT oder GRW zielen auf Innovation und Investition |
| Brandenburg | BIG-Digital | läuft, Richtlinie bis 30.06.2027 | 50 %, Mindestausgaben 5.000 € |
| Bremen | Digitaler Mittelstand KI | für 2026 keine Mittel mehr | 2027 soll es weitergehen, Infos folgen laut BAB |
| Hamburg | Hamburg Digital Check | läuft | Beratungszuschuss bis 50 %, max. 7.500 € |
| Hessen | DIGI-Zuschuss | beendet (Juni 2026) | Distr@l läuft, ist aber auf Innovationsprojekte ausgerichtet |
| Mecklenburg-Vorpommern | Digitalisierungsförderung Mittelstand | ausgelaufen zum 30.06.2026 | seit 30.06.2026 gibt es eine KI-Förderrichtlinie, die nur KI-Projekte fördert (bis 50 %, Mindestinvestition 15.000 €) |
| Niedersachsen | Digitalbonus.Niedersachsen-innovativ | ausgelaufen zum 31.12.2025 | kein Nachfolger gefunden |
| Nordrhein-Westfalen | MID-Digitalisierung | läuft, aber seit 2026 nur noch für digitale Produkte | für die Einführung von Software im eigenen Betrieb in der Regel nicht mehr passend; MID-Digitale Sicherheit läuft |
| Rheinland-Pfalz | Betriebsberatungsprogramm (FÖP 158) | läuft seit Dezember 2025 | Beratungszuschuss bis 50 %, u. a. zum Thema Digitalisierung |
| Saarland | DigitalInvest KMU | läuft | Basis bis 12.500 €, Plus bis 20.000 €; ausdrücklich auch für Handwerk |
| Sachsen | Digitalisierung – Zuschuss EFRE | seit 17.07.2026 Antragsstopp, außer Stadt Leipzig, Landkreis Leipzig und Nordsachsen | Kleinstunternehmen bis 60 % auf höchstens 10.000 € förderfähige Ausgaben, Mindestausgaben 5.000 € |
| Sachsen-Anhalt | DIGITAL INNOVATION | läuft über Aufrufe, nächster ab 28.09.2026, 13 Uhr | bis 50 %, max. 70.000 €; je Runde begrenzte Antragszahl |
| Schleswig-Holstein | Digitalisierung in kleinen Unternehmen (DKU) | läuft, neue Richtlinie vom März 2026 | Beratung und Umsetzung, jeweils bis 40 % |
| Thüringen | Digitalbonus Thüringen | Mittel ausgeschöpft | Die Aufbaubank verweist auf InnoInvest (Innovationskriterien nötig) |
Einige Städte haben eigene Programme, meist für Energie oder Sanierung, selten für Digitalisierung. Frag bei deiner Handwerkskammer nach. Die Betriebsberater dort kennen die regionalen Töpfe.
Worauf du vor dem Antrag achten musst
Erst beantragen, dann bestellen
Bei fast allen Zuschussprogrammen gilt: Du darfst mit dem Vorhaben erst beginnen, wenn der Antrag gestellt oder bewilligt ist. Als Beginn zählt oft schon der Vertrag, nicht erst die Lieferung. Beim BAFA ist das ausdrücklich so geregelt. Wer erst die Software bestellt und dann Förderung beantragt, geht meist leer aus.
Mindestausgaben prüfen
Viele Programme haben eine Untergrenze, zum Beispiel 5.000 Euro beim Brandenburger BIG-Digital oder 4.000 Euro bei MID in NRW. Ein einzelnes Software-Abo erreicht das selten. Förderung lohnt sich eher für ein Gesamtpaket aus Software, Hardware, Einrichtung und Schulung.
Kontingente und Losverfahren
Mehrere Programme vergeben Geld nach Reihenfolge oder Los. In Bayern ist das Monatskontingent oft schnell weg, in Sachsen-Anhalt ist nach einer festen Zahl von Anträgen pro Runde Schluss, in NRW wird gelost. Bereite die Unterlagen vor dem Stichtag vor.
Förderfähige Kosten klären
Nicht jedes Programm fördert laufende Kosten wie Abo-Gebühren. Manche fördern nur Investitionen, andere nur Beratung. Lies die Richtlinie oder frag bei der Förderbank nach, bevor du kalkulierst.
De-minimis beachten
Viele Zuschüsse sind sogenannte De-minimis-Beihilfen. Die Summe solcher Beihilfen ist über einen rollierenden Zeitraum von drei Jahren begrenzt. Bei mehreren Förderungen musst du das angeben. Die Förderbank fragt danach im Antrag.
In fünf Schritten zum Antrag
- Problem benennen. Was kostet dich heute Zeit oder Geld? Doppelt getippte Rechnungen, verlorene Zettel, Rückfragen vom Steuerbüro? Schreib es auf. Viele Anträge fragen genau danach.
- Programm finden. Schau in die Tabelle oben und auf die Seite deiner Förderbank. Die Handwerkskammer hilft bei der Auswahl.
- Angebote einholen, nicht unterschreiben. Du brauchst meist Kostenvoranschläge oder Angebote für den Antrag. Unterschreib aber noch nichts.
- Antrag stellen und Bescheid abwarten. Manche Programme erlauben den Start nach Antragseingang, andere erst nach Bewilligung. Lies die Richtlinie genau.
- Umsetzen und nachweisen. Rechnungen, Zahlungsbelege und oft ein kurzer Bericht gehören zum Verwendungsnachweis. Heb alles auf.
Wofür sich Digitalisierung im Handwerk lohnt
Förderung ist kein Selbstzweck. Sinnvoll ist ein Vorhaben, das ein echtes Problem im Betrieb löst. Typische Kandidaten:
- Angebot, Auftrag und Rechnung in einem System, damit nichts doppelt getippt wird
- E-Rechnung, weil Rechnungen an Firmenkunden ab 2027 bzw. 2028 elektronisch sein müssen. Mehr im Ratgeber zur E-Rechnung-Pflicht
- Einsatzplanung, damit morgens klar ist, wer wohin fährt. Mehr im Ratgeber zur Einsatzplanung
- Digitale Abnahme mit Fotos und Unterschrift, damit Diskussionen über Mängel nicht am Gedächtnis hängen
- IT-Sicherheit, also Backups, Updates, sichere Passwörter
Eine Handwerkersoftware wie Zunfto deckt bei kleineren Betrieben Angebot bis Rechnung, das Erstellen von E-Rechnungen, die Einsatzplanung und die digitale Abnahme ab. Sie läuft im Browser auf Handy, Tablet und PC, ohne eigenen Server. Ob du dafür Förderung bekommst, hängt vom Programm in deinem Land ab. Ausprobieren kannst du Zunfto 14 Tage ohne Zahlungsdaten, bevor du etwas beantragst oder bestellst.
Häufige Fragen
Gibt es „Digital Jetzt" noch?
Nein. Das Programm war bis 31.12.2023 befristet. Neue Anträge sind nicht möglich. Auch „go-digital" ist Ende 2024 ausgelaufen.
Welche Bundesförderung gibt es 2026 für Handwerksbetriebe?
Vor allem die BAFA-Beratungsförderung (Richtlinie bis 31.12.2026) und den ERP-Förderkredit Digitalisierung der KfW. Einen reinen Investitionszuschuss des Bundes für Software gibt es derzeit nicht.
Wird Software im Abo gefördert?
Das hängt vom Programm ab. Manche fördern nur einmalige Investitionen, andere auch laufende Kosten. Der KfW-Kredit etwa schließt laufende Kosten ein. Prüf die Richtlinie deines Landesprogramms.
Kann ich die Förderung beantragen, wenn ich die Software schon gekauft habe?
In der Regel nein. Bei fast allen Zuschüssen muss der Antrag vor dem Vertragsschluss gestellt werden.
Wo bekomme ich Hilfe beim Antrag?
Bei deiner Handwerkskammer. Die Betriebsberater kennen die Programme in deinem Land. Auch die Förderbanken der Länder beraten.
Dieser Überblick gibt den Stand vom 19.09.2026 wieder. Förderbedingungen ändern sich häufig. Maßgeblich sind die Richtlinien auf den offiziellen Seiten. Im Einzelfall helfen deine Kammer, die Förderbank oder deine Steuerberatung.